Oft wird uns eingeredet, dass wir letztendlich allein für unser Glück verantwortlich sind, und dass die Welt lediglich ein neutrales Podium für unsere individuellen Entscheidungen darstellt, und dass das Universum weder Schuld noch Verdienst kennt. Eine radikale These, die impliziert unter anderem, dass selbst untreue Partner oder hinterlistige Freunde lediglich Ausdruck unserer eigenen überhöhten Erwartungen sind. Aber hält diese Vorstellung wirklich stand?
Obwohl die Kultivierung einer starken Eigenverantwortung zweifellos essentiell für ein erfülltes Leben ist, birgt eine zu absolute Fokussierung darauf die Gefahr, wichtige Aspekte des Daseins zu ignorieren und eine unangemessene Vereinfachung der Realität zu fördern. Die Idee, dass alles, was uns widerfährt, ein direktes Ergebnis unserer eigenen Gedanken und Handlungen ist, beruht auf einem Verständnis von Rationalität und Kontrollierbarkeit, das zwar in Teilen legitim ist, aber nicht vollständig erfassen kann, wie komplexe Systeme funktionieren.
Auf jeden Fall ist es so gut wie sicher, dass die Wichtigkeit der Eigenverantwortung grundsätzlich stark überschätzt wird. Die Welt ist in der Tat keine bloße Kulisse, die nur unbeteiligt da steht, sondern eine Entität, die einem jeden Individuum etwas schuldet.

